NAS für Zuhause richtig aufsetzen

Wer Fotos, Videos und Dokumente nicht dauerhaft einem Cloud-Anbieter anvertrauen möchte, kommt früher oder später zu einem eigenen Netzwerkspeicher. Ein NAS (Network Attached Storage) ist dabei mehr als ein USB-Stick am Router: Es läuft rund um die Uhr, stellt Daten für mehrere Geräte gleichzeitig bereit und kann mit den richtigen Paketen sogar als Medienserver, Backup-Ziel oder kleines Heimkino-Backend fungieren.

Was ein NAS vom einfachen USB-Speicher unterscheidet

Ein NAS ist ein eigenständiger kleiner Rechner mit eigenem Betriebssystem, Netzwerkschnittstelle und mindestens einem, in der Praxis meist zwei bis vier Festplatteneinschüben. Es kommuniziert über das Heimnetz per SMB, NFS oder eigenen Protokollen und ist für alle Geräte im WLAN und LAN erreichbar, ohne dass ein Computer eingeschaltet sein muss.

Typische Einstiegsgeräte wie das Synology DS223 oder das QNAP TS-233 kosten zwischen 170 und 230 Euro ohne Festplatten. Dazu kommen die Laufwerke: Für ein Zwei-Schacht-Gerät mit je 4 TB NAS-Festplatten (etwa WD Red Plus oder Seagate IronWolf) liegen die Gesamtkosten bei rund 400 bis 500 Euro. Das klingt nach viel, entspricht aber ungefähr zwei Jahren eines 2-TB-Cloud-Abonnements bei einem großen Anbieter, ohne dass man die Daten jemals wirklich in der Hand hält.

Hardware: Gehäuse, Laufwerke und Netzwerk

Zwei Schächte reichen für die meisten Haushalte. Wer aber regelmäßig 4K-Videos speichert oder die Kapazität ohne Datenverlust erweitern will, sollte direkt zu einem Vier-Schacht-Gerät greifen. Das ermöglicht RAID-5-Konfigurationen, bei denen eine Platte ausfallen darf, ohne dass Daten verloren gehen.

Beim Kauf der Laufwerke gilt: Günstige Desktop-Platten sind nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt. NAS-Festplatten haben eine höhere MTBF-Angabe (mittlere Zeit zwischen Ausfällen) und sind auf Vibration im Mehrtplattenbetrieb optimiert. Konkret bedeutet das: Eine 4-TB-NAS-Platte kostet etwa 80 Euro, eine vergleichbare Desktop-Platte rund 55 Euro. Der Aufpreis lohnt sich.

Für die Netzwerkanbindung reicht Gigabit-LAN in den meisten Fällen vollständig aus. Das entspricht einer theoretischen Transferrate von 125 MB/s, in der Praxis sind 80 bis 100 MB/s realistisch, genug für simultanes Streaming von drei bis vier 4K-Streams intern.

Betriebssystem und Software: DSM, QuTS oder TrueNAS

Synologys DSM (DiskStation Manager) gilt als besonders einsteigerfreundlich. Die Oberfläche erinnert an einen Desktop, Pakete wie Plex Media Server, Surveillance Station oder die Backup-Software Hyper Backup lassen sich per Klick installieren. QNAP bietet mit QTS ein ähnliches System, das aber etwas technischer ausgerichtet ist und mehr Konfigurationsoptionen bietet.

Wer auf fertiger Consumer-Hardware verzichten und stattdessen einen alten Mini-PC oder einen gebrauchten Dell OptiPlex nutzen möchte, findet in TrueNAS SCALE eine kostenlose Open-Source-Alternative. Das System basiert auf Debian Linux und unterstützt ZFS-Dateisystem, das als eines der zuverlässigsten für Datenspeicherung gilt. TrueNAS erfordert allerdings mehr Einarbeitung und ist nicht für jeden Haushalt geeignet.

Wer sich ausführlicher mit den Unterschieden, Konfigurationsoptionen und konkreten Aufbauschritten beschäftigen möchte, findet auf dem Portal NAS Heimserver umfangreiche Anleitungen und Vergleiche zu den gängigsten Systemen.

RAID ist kein Backup

Dieser Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er immer wieder falsch verstanden wird. RAID schützt vor dem Ausfall einer einzelnen Festplatte, nicht vor versehentlichem Löschen, Ransomware oder Feuer. Wer RAID-1 betreibt (zwei Platten spiegeln sich gegenseitig), hat bei einem versehentlich gelöschten Ordner trotzdem auf beiden Platten denselben Schaden.

Eine funktionierende Backup-Strategie folgt der 3-2-1-Regel:

  • 3 Kopien der Daten insgesamt
  • 2 verschiedene Speichermedien (zum Beispiel NAS und externe Festplatte)
  • 1 Kopie außerhalb des Hauses (Cloud-Backup, verschlüsselt, oder Platte beim Nachbarn)

Synologys Hyper Backup kann automatisch verschlüsselte Backups auf einen zweiten NAS-Standort, auf Backblaze B2 oder auf Amazon S3 übertragen. Die Kosten für Backblaze B2 liegen bei etwa 6 US-Dollar pro Terabyte und Monat, was für die meisten Haushalte tragbar ist.

Zugriff von unterwegs

Viele NAS-Systeme bieten eigene DDNS-Dienste, über die das Gerät von außen erreichbar ist, ohne eine feste IP-Adresse zu benötigen. Synologys QuickConnect funktioniert ohne Portweiterleitung und eignet sich für den einfachen Einstieg. Für mehr Kontrolle und Sicherheit empfiehlt sich eine VPN-Verbindung nach Hause, etwa über WireGuard, das auf DSM 7 und TrueNAS SCALE nativ unterstützt wird.

Alternativ lässt sich ein Reverse Proxy einrichten, der externe Anfragen an interne Dienste weiterleitet. Wer zum Beispiel Nextcloud auf dem NAS betreibt, kann so eine eigene Cloud-Plattform unter einer eigenen Domain betreiben, vollständig unter eigenem Zugriff.

Stromverbrauch und Geräusch im Alltag

Ein Zwei-Schacht-NAS mit zwei laufenden Platten verbraucht typischerweise zwischen 15 und 25 Watt im Betrieb. Bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde entspricht das Jahreskosten von etwa 40 bis 65 Euro. Wer das NAS nur abends aktiv nutzt und tagsüber in einen Sleep-Modus schickt (Festplatten ruhen nach 20 Minuten), kann diesen Wert halbieren.

Für die Geräuschentwicklung gilt: NAS-Geräte von Synology und QNAP sind im Schlafzimmer zu laut, im Arbeitszimmer oder Flur aber kaum wahrnehmbar. Lüfterlose Modelle wie das Synology DS223j sind leiser, bieten aber weniger Rechenleistung und keine Transkodierungsfähigkeit für Plex.

Modell Schächte Preis (ohne HDD) Besonderheit
Synology DS223 2 ca. 230 Euro Einstieg, DSM, Quad-Core
QNAP TS-433 4 ca. 290 Euro HDMI, PCIe-Erweiterung
Synology DS923+ 4 ca. 560 Euro 10-GbE-Option, Plex-Transcodierung

Ein eigener Netzwerkspeicher zuhause ist kein übermäßig kompliziertes Projekt. Mit einem Nachmittag Einrichtungszeit, einem klaren Konzept für Backups und der richtigen Hardware läuft ein NAS jahrelang zuverlässig, spart Cloud-Kosten und gibt die Kontrolle über eigene Daten zurück. Der entscheidende Schritt ist, tatsächlich anzufangen.