Schach, Go und Poker gegen die Künstliche Intelligenz

David Hoover

Schach, Go und Poker gegen die Künstliche Intelligenz
David Hoover

Technologien rund um die Künstliche Intelligenz sind seit einigen Jahren im Aufstiegstrend und etablieren sich langsam in das Alltagsleben. KI Software analysiert unser Streaming-Verhalten auf Netflix und Spotify, berät uns über virtuelle Assistenten und Chatbots oder sorgt für mehr Sicherheit über Gesichtserkennung. Ein Blick auf die Entstehungsgeschichte der Künstlichen Intelligenz zeigt dabei, dass einige Traditionsspiele in ihrer Entwicklung eine ganz besondere Rolle spielen. 

Schach, Go und Poker im digitalen Zeitalter

Schach und Go zählen zu den ältesten Spielen der Welt und sind seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der globalen Spielkultur. Sie haben einen asiatischen Ursprung und gelten zu den komplexesten aller weltweit bekannten Strategiespiele sowie Denksportarten. Während Schach global ein hohes Ansehen genießt, ist Go vor allem im asiatischen Raum ein geschätztes Brettspiel. Im Zuge der Digitalisierung werden heute beide Spiele sowohl auf traditionelle Art und Weise in Vereinen und Turnieren als auch im Netz über Spielserver wie Chess.com und Online-go.com gehegt und gepflegt. KI-Forscher schätzen die komplexe Natur, strategischen Eigenschaften und klar definierten Regeln von Schach und Go, die dabei helfen, die Entwicklung der KI voranzutreiben. Vor allem das Go überzeugt in Bezug auf Vielschichtigkeit, die im Unterschied zu Schach aus einem größeren Spielbrett und der ungleich größeren Anzahl möglicher Züge resultiert. 

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Im Vergleich dazu ist Poker ein relativ junges Spiel, das in den USA des 19. Jahrhunderts erfunden wurde. In seiner kurzen Geschichte erlebte es ein kontinuierliches Wachstum seiner weltweiten Popularität. Heute ist Poker eines der beliebtesten Kartenspiele der Welt, das nicht nur als Freizeitbeschäftigung, sondern auch als Denksport betrieben wird. Der Zugang zum Spiel erfolgt im digitalen Zeitalter über App Stores, Online-Plattformen für Poker mit Echtgeld sowie Streaming-Portale wie Twitch und YouTube. Auch Clubs, Turniere und Casinos sind nach wie vor beliebte Orte zum Pokern. Als ein Spiel mit unvollständigen Informationen ist Poker in der KI-Forschung von großer Bedeutung. Damit erhofft man der KI ein gewisses Maß an Intuition bzw. Spielerfahrung beizubringen, die sie benötigt, um zu erraten, welche Karten ihre Gegner in der Hand halten. 

Wichtige Meilensteine mit den Traditionsspielen

Wichtige Meilensteine mit den Traditionsspielen

Fritz war die erste KI-Software, die in der Öffentlichkeit für große Furore sorgte. Das 1991 erstmals erschienene PC-Programm gewann bereits 1995 die Schachcomputer-Weltmeisterschaft. Der nächste Meilenstein folgte 1996 mit dem Sieg von Deep Blue gegen den damals amtierenden Weltmeister Garri Kasparow in einer Partie mit regulären Zeitkontrollen. Im nächsten Jahr legte das Programm nach und gewann gegen Kasparow einen ganzen Wettkampf aus sechs Partien unter Turnierbedingungen. Diese Ereignisse machten deutlich, dass Computer auch unter komplexen Bedingungen inzwischen in der Lage waren, mit der menschlichen Intelligenz mitzuhalten. Doch immer noch fehlten den Schachprogrammen das Wissen für Formen und Muster, wodurch immer wieder Programmfehler auftraten. 

Nach den ersten KI-Versuchen mit Schach wandte sich die Forschung dem Poker zu. Die ersten nennenswerten Ergebnisse brachte das Projekt Polaris, das 2007 ins Leben gerufen wurde. Ein Jahr später wurde das KI-Computer Claudico veröffentlicht, der nun die Fähigkeit besaß, sich selbst über maschinelles Lernen zu programmieren. Jedoch waren beide Poker-Bots noch nicht in der Lage, Profispieler zu besiegen. Der Durchbruch sollte fast ein Jahrzehnt später kommen: Die Software Libratus setzte sich 2017 in einem zwanzig-tägigen Pokerturnier gegen die vier weltbesten Spieler durch. 2019 überbot Pluribus diesen Erfolg und gewann Pokerbegegnungen mit mehr als einem Gegner. 

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Wichtig zu erwähnen ist auch die Forschungsarbeit von Google DeepMind. Das Unternehmen investiert in die Projekte Alpha Go und Alpha Zero. Ersteres ist ein Programm aus dem Jahr 2014, das maschinelles Lernen mit dem Spiel Go vorantreiben möchte. Alpha Zero startete hingegen 2017 und nutzt wieder Schach als Basis seiner Forschung. Diese Initiativen haben die KI-Technologie zur nächsten Entwicklungsphase eingeführt, weil sie nicht mehr die möglichen Züge pro Sekunden analysieren, sondern ihre Fähigkeiten aus Spielerfahrung selbst erarbeiten. 

Demnach kann die heutige KI-Technologie nicht nur komplexe Rechenaufgaben lösen, sondern auch selbstständig durch das Sammeln von Informationen sich Fähigkeiten beibringen. Die nächste Aufgabe der Forschung ist, der KI die menschliche Fähigkeit zur Abstraktion anzueignen. Die Traditionsspiele Schach, Go und Poker werden dabei weiterhin eine wichtige Rolle spielen, da sie in ihrer Komplexität große mentale Kapazitäten abverlangen.

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